Was war geschehen?
Die letzten anderthalb Jahre stellten für uns alle besondere Einschnitte dar und ganz vorbei ist der „Spuk“ noch nicht.
Im Leben jedes einzelnen Menschen gibt es besondere Zeit- und Wendepunkte, wo bestimmte Lebensphasen enden und neue beginnen. Diese Zeiten halten Herausforderungen bereit, bringen häufig Verunsicherung und Zweifel mit sich. Doch sind sie individuell und betreffen nicht gleichzeitig die gesamte Weltbevölkerung.
Solch kollektive Ereignisse waren bisher Kriege und Naturkatastrophen. Doch selten war die gesamte Welt betroffen. Wenn wir das Augenmerk auf Deutschland richten, war neben regionalen Flutkatastrophen in den letzten Jahrzehnten die Deutsche Einheit vermutlich die größte kollektive deutsche Herausforderung. Doch auch hier bin ich sicher, dass Teile der Bevölkerung in den alten Bundesländern weit weniger von den Veränderungen betroffen waren als die Menschen in den neuen Bundesländern. Eine unglaubliche Lebensleistung und mit Sicherheit auch von Angst und Zweifel begleitet.
„C“ hat neben beruflichen und existenziellen Sorgen noch ganz andere Ängste kollektiv hervorgerufen. Die Angst um Leib und Leben. Angst vor Ansteckung und damit verbunden die Angst vor anderen Menschen, die das Virus übertragen könnten. Angst vor Einsamkeit und die Angst, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Angst, in seinen Freiheiten beschnitten zu werden und nicht mehr selbst entscheiden zu dürfen. Angst vor Spaltung, Ausgrenzung und wertvoller Lebenszeit beraubt zu werden.
Doch was gibt es dort zu lernen?
In meinem nun schon über fünfzig Jahre währendem Leben gab es keine vergleichbare Situation. Kein anderer langanhaltender Zeitraum, in dem alle mehr oder weniger mit ihren Ängsten so andauernd und nachhaltig konfrontiert wurden. Wo Familien auf einmal mehr Zeit als gewöhnlich miteinander verbrachten und lang verdrängte Konflikte sichtbar werden konnten. Wo Berufe über lange Zeiträume hinweg nicht mehr ausgeübt werden konnten und existenzielle Fragen in den Mittelpunkt rückten. Wo jeder unmittelbar mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert wurde – die eigene Vergänglichkeit, die wir sonst so erfolgreich verdrängen. Wo Singles ihrem Alleinsein nicht schnell mittels Ablenkung entfliehen konnten. Wo all das Materielle und Möglichkeiten des Amüsements in den Hintergrund traten. Wo wir mit uns, warum wir hier sind und was wir unbedingt verwirklichen möchten, schonungslos konfrontiert wurden.
In einer Zeit der permanenten Ablenkung eine wirkliche Herausforderung und zugleich Chance Bestandaufnahme zu machen. Sich die Frage zu stellen, war es so, wie es vorher war, wirklich bereichernd oder wünsche ich es mir eigentlich vollkommen anders. Haben wir diese Chance genutzt oder lieber der Rückkehr ins Vertraute entgegengefiebert?
Doch vielleicht war es auch zu schmerzhaft, diese Bestandsaufnahme und Weichenstellung allein vorzunehmen und du hast Bedarf, dich auf diesem Weg unterstützen zu lassen.
