Die innere Stimme – was ist das eigentlich?
Für mich hat die innere Stimme sehr viel mit Intuition zu tun und zeigt an, was meine Seele wirklich möchte. Und mein „Ego“ hat im besten Falle Sendepause.
Die innere Stimme wahrzunehmen und ihr zu vertrauen, wird heutzutage in Bereichen der Persönlichkeitsentwicklung häufig empfohlen.
Doch wie nehme ich sie wahr?
Aus meiner eigenen Erfahrung teilt sich meine innere Stimme meist als kurzer Impuls mit – eine Wahrnehmung, eine Irritation, ein Gefühl, ein Gedanke.
Häufiger habe ich solche Impulse in meinem Leben wahrgenommen – sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Aus heutiger Sicht wäre es hilfreich gewesen, manche Wahrnehmung, Irritation, Gefühle und Gedanken als Warnung zu verstehen. Es hätte mir viel Negatives erspart. Allerdings hätte ich auch die Erfahrungen nicht gemacht, die mich wachsen ließen und mich stärker gemacht haben.
Warum überhören wir so oft unsere innere Stimme?
Meist passt das, was uns unsere Seele mittels der inneren Stimme mitteilen möchte, nicht in das Konzept, das wir von uns und der Welt haben. In unserer Nachkriegsleistungsgesellschaft sind die Ingredienzien für ein erfolgreiches und glückliches Leben bereits vordefiniert. Eine möglichst umfangreiche Schulbildung mit anschließender Spezialisierung und Auslandserfahrungen, daraus resultierend eine angesehene und gut dotierte Anstellung, eine stärkende Partnerschaft (Ehe) optimalerweise mit wohlgeratenen Kindern, Wohneigentum ist anzustreben, ein bereicherndes Netz an Freunden und Bekannten bestenfalls in ähnlich gehobenen Positionen wie man selbst tätig ist. Gesundheit, Fitness, kulturelles Engagement, Reisen und materieller Erfolg gehören selbstverständlich auch dazu.
Unserer Seele sind diese vorgefertigten Modelle allerdings vollkommen schnurz – der Käfig des Vorgegebenen oftmals zu eng. Und schwupps kommen wir in Konflikt, wenn uns unsere innere Stimme vor dem gut dotierten angesehenen Job warnt oder vor dem erfolgreichen, gutaussehenden, eloquenten potentiellen neuen Partner. Das passt nicht zu den vorgefertigten ungeschriebenen Gesetzen für ein glückliches und erfolgreiches Leben. Und das eigene Ego kommt dann auch noch dazu. Natürlich ist man geschmeichelt, wenn einem ein solcher Job angeboten wird oder ein gutaussehender, intelligenter und eloquenter Mensch einen umgarnt.
Auch den Rat von Freunden einzuholen, muss nicht immer hilfreich sein. Mir selbst ist das bei einem Jobangebot passiert. Ich hatte große Zweifel, ob die zugegebenermaßen angesehene Leitungsposition das Richtige für mich ist. Ich beriet mich mit einer Freundin, die enorm begeistert von dieser Stelle war. Sie riet mir dazu die Stelle anzunehmen, was ich dann auch tat. Ich wurde nicht glücklich in dieser Anstellung und musste erkennen, dass diese Stelle nicht meinen Wünschen, sondern den Wünschen meiner Freundin entsprach. Sie wäre in dieser Stelle vermutlich glücklicher geworden als ich. Ebenso verhält es sich mit den Ängsten. Ich habe auch schon erlebt, dass Freunde/Familie mir von bestimmten Entscheidungen abrieten, weil es für sie nicht stimmig war. Doch auch das waren ihre Ängste und nicht meine. Das auseinander zu halten, ist in Situationen der Unsicherheit und des Zweifels unglaublich schwer. Hier kann es unheimlich hilfreich sein, ein neutrales und wertfreies Gegenüber zu haben, um losgelöst von allgemein gültigen Konzepten zu schauen, was wirklich deinen Wünschen entspricht.
